Gilt die Pareto-Verteilung in den sozialen Netzwerken noch? Ganzheitliche Betrachtung des Phänomens sozialer Netzwerke erforderlich

Heike SimmetProf. Dr. Heike Simmet

Hochschule Bremerhaven,  Labor Marketing und Multimedia (MuM)

Gilt die Pareto-Verteilung in den sozialen Netzwerken noch? Ganzheitliche Betrachtung des Phaenomens sozialer Netzwerke erforderlich

Die Nutzung von Social Media wird in unserer Wirtschaft immer selbstverständlicher. Nicht nur die Großkonzerne, sondern auch immer mehr Unternehmen im Mittelstand entdecken die Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden über die sozialen Netzwerke. Dies hat zu einer intensivierten Diskussion über die Effizienz der Aktivitäten in den sozialen Netzwerken und zur Frage nach den Möglichkeiten der Erfolgsmessung geführt. Die Entwicklung eines Social Media Index zur Erfolgskontrolle von Aktivitäten im sozialen Netz erfordert eine Kombination von quantitativ erfassbaren Größen mit qualitativ orientierten Einflussfaktoren. Beziehungsreichweite (gemessen z. B. an Faktoren wie Anzahl der Fans oder Follower) und Feedbackintensität (gemessen z. B. an Faktoren wie Zahl der Retweets, Markierung und Kommentare) müssen kombiniert werden mit weichen Faktoren, die sich z.B. aus semantischen Analysen ableiten lassen, und die stärker auf die Beziehungsqualität innerhalb des sozialen Netzes abzielen. Angesprochen sind hier insbesondere die Faktoren Zufriedenheit, Vertrauen und Commitment.

Nach der 1-9-90-Regel – auch als Nielsen-Regel bezeichnet – sind auf der Mehrheit der Social Media Plattformen 90 Prozent der Nutzer passiv und leisten keinen Beitrag, 9 Prozent leisten einen kleinen Beitrag und 1 Prozent der Nutzer ist für nahezu die gesamten Beiträge verantwortlich. Eine kleine Anzahl von Mitgliedern in den sozialen Netzwerken trägt durch ihre Menge von Kommentaren und Tweets mehr zum Gesamtinhalt einer Web 2.0-Plattform bei, als die große Mehrheit der Mitglieder mit ihren jeweils verhältnismäßig geringen Beiträgen. Unternehmen müssen für einen Erfolg in den sozialen Netzwerken somit eine kritische Masse von aktiven Nutzern erreichen.

Beteiligung in sozialen Netzen nach Nielsen

Diese kritische Masse an aktiven Nutzern gewinnt man vor allem durch das Teilen gemeinsamer Werte, den offenen Austausch von Informationen und somit durch Faktoren wie Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Authentizität. Der damit angesprochene Aufbau von Vertrauen im sozialen Netz ist gerade in der B2B-Branche, die ja traditionell auf den Netzwerkgedanken und langfristig aufgebaute Beziehungssysteme setzt, von besonderer Bedeutung. Entsprechend dem in der Quantenphysik untersuchten Resonanzprinzip zieht in den sozialen Netzen Gleiches Gleiches an. Die Kraft dieser Anziehung im sozialen Netz lässt Kleinst-Communities entstehen, die in ihrer Nische eine erhebliche Ausstrahlungskraft und damit auch beachtliche Erfolgspotenziale entwickeln können.

Die viel diskutierten „Long Tail-Effekte“ folgen daher der klassischen Pareto-Verteilung, die sich in einer Vielzahl der Wissenschaften von der Volkswirtschaftslehre über die Betriebswirtschaftslehre und Soziologie, aber auch in der Kunst und in der Mathematik wieder findet. Das wissenschaftliche Grundgesetz der Pareto-Verteilung wird also auch durch die sozialen Netzwerke nicht außer Kraft gesetzt. Es muss aber neu interpretiert und angepasst werden, da sich die Beziehungsgeflechte der Netzwerke ständig verändern und somit dynamischen Prozessen unterworfen sind. Soziale Netzwerke ähneln menschlichen Organismen und die lassen sich ja auch nicht nur durch Zahlen, Daten und Fakten statisch und punktuell erfassen. Vielmehr ist eine ganzheitlichere Betrachtungsweise gefordert, die der Komplexität des Phänomens „Social Media“ entspricht.

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Über Prof. Dr. Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Professorin für Betriebswirtschaft Speaker und Beraterin
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